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Am Ende wollen Beide das Gleiche

Dienstag, 12. August 2008 | Autor: Heike Winkler

Wenn ich morgens in die Kindergruppen komme, weiß ich i.d.R. sehr schnell wie sie “drauf” sind: von agressiv bis laut, tobend, traurig, schüchtern und unsicher. Kinder zeigen ihre Gefühle und daraus weiß ich z.B., welchen Anfang ich wähle. Erwachsene stehen ruhig, höflich und abwartend. Sie zeigen ihre Gefühle nicht und ich muß entscheiden.

Je weniger ich den Kinder erkläre, je schneller es los geht, je größer der Aufforderungscharakter ist, desto besser. Hauptsache es bringt Spaß und fühlt sich gut an. Das erklärte Verstehen kommt am Ende. Erwachsene brauchen eine erklärte Einführung, bevor sie sich in Bewegung setzen.

Kindern ist es egal warum wir das machen und wo es hinführt, sie diskutieren nie! Erwachsene stellen Fragen und Hinterfragen.

Kinder hören einfach auf, wenn es langweilig ist. Erwachsene halten bis zum Ende durch und sagen es am Ende.

Kinder zeigen ihre Freude und wenn es richtig toll ist, hüpfen sie vor Glück. Erwachsene sind verhalten und kontrolliert.

Kinder lieben die Wiederholung, Erwachsene brauchen Abwechslung.

Mit Kindern üben ist eine Herausforderung, sobald Druck und Erwartung entstehen, sind sie weg. Erwachsene sind bereit und verstehen, das Warum. Sie sind geduldiger.

Kinder brauchen Vorstellungsbilder und sind dann genau das, was sie sich vorstellen. Erwachsene reflektieren ihre Bewegung, schämen sich, vergleichen, befürchten, dass es komisch aussieht?

Kinder lieben die Herausforderung, sie wollen zeigen was sie schon alles können, Erwachsene sagen “das kann ich nicht” und müssen/wollen überredet werden.

Kinder wollen angefasst werden, Hautkontakt (ich bin O.K.), verstecken(jemand sucht mich), fangen(ich bin begehrt), sanfte, robuste Bewegungen, Augenkontakt, Lächeln, farbenfrohe, belebte Umgebung mit Geräuschen, Musik, Singen und Reden. Erwachsene stehen in ihrem persönlichen Raum mit unterschiedlichen Grenzen und Gefühlen und wollen auf eine Art gelockt werden, die ihre Schamgrenze nicht übersteigt.

Kinder sind voller Fragen, von wer bin ich, wo gehöre ich hin und was für eine Art Person bin ich. Erwachsene haben viele dieser Fragen schon beantwortet, ihre Schutzwälle sind gezogen und es braucht einen Sinn, um sich in eine neue Situation zu wagen. Erwachsene können so tun als ob, das können Kinder nicht. Doch bei beiden ist im Körper und in der Bewegung zu sehen, ob es fließt oder nicht.

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Thema: Lernen

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12 Kommentare

  1. Hallo Heike,
    ich bin gerade auf deinen Artikel gestoßen und er erinnert mich an meine wunderbare Zeit, die ich auch in einem integrativen Kindergarten verbringen durfte. Jedes Wort, jede Aussage, die du beschrieben hast, kann ich sehr gut nachempfinden. Du hast so recht mit deinen Worten und dein Artikel beschreibt genau die Seiten der Kinder, die ich so sehr an ihnen liebe. Ich liebe Kinder einfach und genau aus deinen genannten Gründen. Ich darf ab morgen erneut mit Kindern aus einer Förderschule zusammenarbeiten und ihnen bei ihrer Sprache, im Ausdruck und im Kontakt behilflich sein.
    Zu deinen Aussagen über die Erwachsenen spiegel auch ich mich wieder. Denn du hast so recht, dass ich mich auch für manche Dinge schäme oder mich zunächst verweigere, die für Kinder eigentlich so natürlich sind. Du bist Leiterin einer Kindergartengruppe? Hört sich sehr gut an was du geschrieben hast und ich konnte mich zu 100 % einfühlen. Danke. Beschrieben hört sich alles doch oft so einfach an. Doch in der Umsetzung für viele Dinge sich nicht zu schämen, oder 1000fach vorher drüber nachgedacht zu haben, fällt mir dann doch wiederum schwer.
    Julia

  2. 2
    Birgit-Rita Reifferscheidt 
    Dienstag, 12. August 2008

    @Heike
    Eine angehende Sozialpädagogen aus der Generation die hinter dir geht, hört dich und kommentiert! Du hast sie mit deiner natürlichen, einfachen und fühlbaren Art zu schreiben erreicht und mich auch. Ich muss meinen Kopf kein bißchen anstrengen,die Worte erreichen mich unmittelbar. Oft muss ich Dinge mehrmals lesen, bis es ganz bei mir ist. ich liebe deine art zu schreiben. Mehr davon.

  3. Heike, mir geht es beim Lesen wie Julia und Birgit-Rita. Ich verstehe es sofort, beim Lesen, während ich lese ist es schon angekommen. Wie von alleine kommen deine Worte bei mir an, und ich lerne so wertvolles. Es bringt Spaß das zu lesen.

  4. 4
    Matthias Kunz 
    Mittwoch, 13. August 2008

    Wow Heike, ein bärenmäßiger Artikel dem nichts hinzuzufügen ist und der mich wie auch Rita und Inga schreiben, ” unmittelbar erreicht”.
    Vielen Dank für den Spiegel !
    Ich möchte den Artikel gerne ausdrucken und im Wartezimmer auslegen und würde mich über Dein OK sehr freuen.
    Welch ein Kontrast zu der sonst üblichen mit blue prints besetzten Wartezimmerlektüre.
    Mich interessiert, ob Patienten die deinen Artikel vorher gelesen haben einen anderen Behandlungszugang bieten. Bin ganz gespannt.

  5. 5
    Inga Oltersdorf 
    Mittwoch, 13. August 2008

    @ Matthias

    Das finde ich echt toll, wenn du diesen Artikel in deinem Wartezimmer auslegst. Und es würde mich sehr interessieren, wie Patienten darauf reagieren. Und überhaupt, deine Erfahrungen damit…

  6. 6
    Birgit-Rita Reifferscheidt 
    Mittwoch, 13. August 2008

    @Heike
    innerhalb so kurzer zeit öffnen sich dir die tore zur Welt. In einer Praxis bist du demnächst zu lesen.
    @Matthias
    Die Idee finde ich super. welch eine Einstimmung auf eine Behandlung. Ich bin gespannt auf die Wirkung.

  7. warte noch auf dein OK

  8. 8
    Birgit-Rita Reifferscheidt 
    Freitag, 15. August 2008

    @Matthias
    Heike hat viele Kommentare gar nicht gelesen. Ihre Bloglines haben den Geist aufgegeben. Ich habe ihr gestern von deinem Vorhaben erzählt. Sie war mehr als erstaunt. Ich habe mit ihr geskypt - das Gesicht hättest du sehen sollen. Mittlerweile müßte Inga ihr beim Richten des Readers geholfen haben. bleibt zu hoffen, das sie bald antwortet.

  9. @ Birgit-Rita

    Heikes Bloglines gingen plötzlich wie von selbst wieder.

  10. 10
    heike winkler 
    Freitag, 15. August 2008

    @Matthias
    Jaha natürlich, darfst du. Mittlerweile hab`ich mich zwar wieder beruhigt, verstehen tue ich es trotzdem nicht. Schreib`mal, falls jemand was dazu gesagt hat.

    ich dachte immer, ich kann nicht schreiben und nun so
    viele Kommentare.

  11. 11
    Markus Strobel 
    Freitag, 15. August 2008

    @Heike
    ich habe deinen Artikel erst heute in Ruhe lesen können…einfach suuper, so das ich ihn gleich nochmal lesen musste. Es steht alles drin und er erreicht mich Es gibt Stellen da fühle ich wie ein Kind( wer bin ich…..) aber viel öfter der Kotrollierte Erwachsenen
    Danke

  1. […] August, 2008 Durch diesen Beitrag von Heike Winkler lerne ich viel über die Natürlichkeit von […]

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